Russischer Zupfkuchen op Kölsch

Alaaf ihr Jecken!

Heute beginnt in Köln der Straßenkarneval – bis vor einiger Zeit konnte ich als Immi (so nennt man die Zugezogenen) damit überhaupt nichts anfangen und bin über diese Zeit immer aus Köln geflohen. Mittlerweile wurde ich aber – dank des Mitessers – in die hohe Kultur des richtigen, kölschen Karnevals, fernab der typischen Touristenplätze, eingeführt und seitdem lege ich auch von selbst mal eine CD mit kölscher Musik ein, mache mir im November bereits Gedanken um ein Kostüm und kann mich sogar ein bisschen mit der ewigen Schunkelei anfreunden.
Heute geh ich allerdings noch nicht raus – für jeden Tag bis Aschermittwoch reicht die Begeisterung doch noch nicht aus, aber ich steigere mich von Jahr zu Jahr.. Seit der Wecker allerdings hier geklingelt hat, läuft schöne kölsche Musik. Unter dem Fenster haben sich ein paar Pänz (=Schüler Kinder) heute morgen bereits über ihre Kostüme ausgetauscht. Selbst die Hunde, die ausgeführt werden, sind ganz jeck und haben sich ihre schönste Verkleidung angezogen. Und weil der liebe Gott natürlich ne Kölsche ist (was auch sonst?), strahlt die Sonne heute mit roten Pappnasen um die Wette.
Was aber für einen solchen Tag backen? Berliner! – ruft da die kölsche Stimme in mir. Berliner? Aber das hast Du doch noch nie gemacht. Und ausserdem musst Du die ausbacken und das ist bestimmt eine riesige Sauerei. Und überhaupt, die magst Du doch eigentlich gar nicht so gerne. – sagt die Vernunft. In der Tat mag ich Berliner nicht. Ich mag nicht, wenn die Marmelade da herausläuft, und die Marmelade mag ich auch nur in kleinen Dosen auf Brot. Ich erinnere mich, dass mein Vater mal, als ich noch klein war, beim Bäcker unseres Vertrauens extra für mich Berliner “ohne” bestellt hat. Leider hatte der Bäcker scheinbar die Tüten verwechselt, denn als ich voller Freude auf nur Teig in den Berliner biss- was lugte da aus der Mitte heraus? Richtig, Marmelade. Seitdem habe ich keinen mehr gegessen. Also hat die Vernunft gesiegt und ich habe einen meiner Lieblingskuchen gebacken. Damit er aber ein bisschen kölsch wird, hab ich ihn mit dem Dom dekoriert. Der Dom und Köln, das ist ja auch eine nie endende Liebesgeschichte. Wenn der Kölner von einer Reise zurück nach Köln kommt, den Dom von der Autobahn aus sieht oder mit dem Zug über die Hohenzollernbrücke darauf zufährt – ja, dann ist er zu Haus und nicht selten wird dabei das eine oder andere Äuglein feucht. Es ist wirklich für einen Nicht-Kölner immer wieder faszinierend, mit was für einer Selbstverständlichkeit die Kölner ihre Stadt lieben und das kölsche Lebensgefühl leben. Eine kleine Geschichte noch, um das zu verdeutlichen und dann gibt es das Rezept: Als ich noch relativ frisch in Köln war, ging ich mal mit ein paar Freunden ins Müngersdorfer Stadion, weil da ein Deutschlandspiel war. Auf dem Weg zu unserem Eingang war eine riesige Menschentraube, alle fotografierten ein paar mittelalte Männer. Ich registrierte das, konnte mir aber keinen Reim drauf machen. Im Stadion dann saßen wir auf unseren Plätzen und wen sah man dann ein paar Minuten vor dem Anstoß auf dem Rasen? Genau, ebendiese Männer. Die spielten irgendwelche Musik und das ganze Stadion sang lauthals mit. Später las ich dann, dass das die Höhner (eine DER kölschen Bands) war und irgendjemand wurde in einem Zeitungsartikel zitiert mit: “In Köln musste nur die Höhner ein Lied spielen lassen und schon ist die Stimmung auf dem Höhepunkt.” Kann ich so unterstreichen (und wenn mir das jetzt noch einmal passieren sollte, dann würde ich sie zum einen erkennen und zum anderen könnte ich auch mitsingen ;)).

So, genug über Köln palavert, hier ist das Rezept für einen kölschen (russischen) (Zupf)Domkuchen:

Zunächst muss der Boden gebacken werden. Dazu braucht ihr für eine 28er Springform:
375 g Mehl
40 g Kakaopulver
1 Paket Backpulver
200 g Zucker
1 Paket Vanillezucker
1 Ei
200 g Margarine (oder weiche Butter)
und die obligatorische Prise Salz

Mehl mit Backpulver und Kakao mischen, dann alle anderen Zutaten dazu und zu einem Teig verrühren. Am besten zuerst mit einem Rührgerät und dann mit den Händen zu einer Kugel formen. Die wird dann in Frischhaltefolie gewickelt und darf sich für etwa 45 Minuten im Kühlschrank ausruhen. Während der Zeit kann schon die Form gefettet werden oder ihr legt einfach auf den Boden etwas Backpapier, das tut es auch.
Dann 2/3 des Teiges auf dem Boden und Rand verteilen, den Boden mit einer Gabel mehrfach einstechen und dann für 10 Minuten in den Ofen (bei 160 Grad Ober/Unterhitze). In der Zeit kann die Füllung vorbereitet werden:

750 g Quark
250 g Frischkäse
2 Eier
2 Pakete Vanillezucker
600 g Zucker (oder mehr, je nach Geschmack)
50 g Mehl
etwas Zitronensaft

Alles verrühren, abschmecken und je nach gusto noch Zitrone oder Zucker hinzutun und dann die Mischung auf den inzwischen gebackenen Boden verteilen.
Jetzt den restlichen Teig, den ihr vorher abgenommen habt, entweder einfach für einen normalen Zupfkuchen zerreißen und auf dem Kuchen verteilen, oder für die kölsche Version mehrere Dome (Döme?) ausstechen und hübsch drapieren. Hier sind eurer Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt, ihr könnt ja auch sonstige Motive ausstechen.
Dann kommt das ganze bei ebenfalls 160 Grad für eine gute Stunde in den Ofen. Achtet darauf, während der ersten halben Stunde die Ofentür nicht zu öffnen, sonst könnten Risse entstehen. Ich mache die Tür dann nach der Zeit immer erst ein Stückchen auf und lasse den ersten Schwall heiße Luft raus, bevor ich die Tür ganz aufmache.
Nach der Backzeit Stäbchenprobe nicht vergessen und evtl. noch länger backen.

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Der Kuchen hält sich gut mehrere Tage und ich finde, am zweiten Tag schmeckt er noch besser.

Viel Spaß beim Nachbacken und dreimol vun Hätze
Kölle Alaaf!

Eure Krümelkönigin